Alles was Sie über Gewerkschaften wissen müssen

Gewerkschaften sind ein wichtiger, politischer und kultureller Bestandteil unserer Gesellschaft. Gewerkschaften sind Zusammenschlüsse, welche die Interessen von abhängig Beschäftigten gegenüber ihren Arbeitgebern vertreten. Ohne Gewerkschaften wäre es für Arbeitnehmer meist unmöglich, ihre Forderungen nach mehr Lohn oder modifizierten Arbeitszeiten durchzusetzen. Gewerkschaften fungieren häufig als Verhandlungspartner mit Arbeitgeberverbänden und schließen beispielsweise Tarifverträge für bestimmte Arbeitnehmergruppen ab. Durch Gewerkschaften werden die Machtverhältnisse im Wirtschaftsleben ausgeglichen. Einige Berufsgruppen sind stärker in Gewerkschaften organisiert als andere und es gibt eine Handvoll, die einen großen Einfluss auf das politische und wirtschaftliche Leben in Deutschland haben. Doch es gibt auch in letzter Zeit vermehrt Stimmen, die den Arbeitskampf von Gewerkschaften stark kritisieren.

Welches sind die größten und einflussreichsten Gewerkschaften in Deutschland?

In Deutschland ist fast jeder fünfte Arbeitnehmer Mitglied in einer Gewerkschaft. Einige Gewerkschaften sind als eingetragene Vereine organisiert, andere sind andersatige rechtsfähige Personengesellschaften. Einzelgewerkschaften oder Verbände sind zumeist nach Berufsgruppen gegliedert. Es gibt aber auch bekannte Dachverbände, die gebündelt Interessen vertreten oder christlich organisierte Gewerkschaftsverbände. Einige Arbeitnehmer haben sich branchenübergreifenden Gewerkschaften angeschlossen.
Eine der größten und zugleich einflussreichsten Gewerkschaften in Deutschland ist die IG Metall. Sie ist nicht nur mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern die größte Einzelgewerkschaft der Bundesrepublik, sondern auch die weltweit größte organisierte Arbeitnehmervertretung. Die IG Metall vertritt die Arbeitnehmer der Branchen Metall/Elektro, Stahl, Textil und Bekleidung, Holz/Kunststoff und Informations- und Kommunikationstechnologie. Gegründet wurde sie 1949, ihre Vorläuferorganisationen existieren aber schon weitaus länger.
Auch Verdi, die vereinte Dienstleistungsgesellschaft, hat einen großen Einfluss auf Politik und Wirtschaftsleben in Deutschland. Rund 2,2 Millionen Mitglieder haben sich Verdi angeschlossen und werden von dieser Gewerkschaft vertreten. Seit 2001 besteht die Gewerkschaft in ihrer heutigen Form und ging aus fünf großen Einzelgewerkschaften hervor. Diese deckten die Bereiche Post, Handel, Banken und Versicherungen, Druck und Papier, Publizistik und Kunst, Öffentliche Dienste und Verkehr, sowie die deutschen Angestellten ab. Alle diese Berufsgruppen sind jetzt bei Verdi vereint.
Zu weiteren großen Gewerkschaften in Deutschland zählen die IG Bergbau, Chemie, Energie, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft und die Gewerkschaft der Polizei. All diese Gewerkschaften und noch einige mehr, sind im DGB, dem größten Gewerkschaftsbund in Deutschland vertreten.
In regelmäßigem Abstand durch Arbeitskämpfe von sich reden machen im übrigen die Gewerkschaften von Piloten (VC) , Bodenpersonal (VB) oder die Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL).

Wie entstanden Gewerkschaften?

In Deutschland und angrenzenden Territorien haben Arbeitskämpfe und der Einsatz von Arbeitern für mehr Rechte im Arbeitsleben eine lange Tradition. Schon im Jahr 1329 legten sich Handwerksgesellen mit ihren Meistern an und legten die Arbeit nieder. Einer der bekanntesten Arbeitsaufstände der Geschichte war jedoch der Aufstand der Weber im Jahr 1844. All diese Arbeitskämpfe stärkten das Selbstverständnis der Arbeiter und Arbeitervereine, die Vorläufer der Gewerkschaften.
Im laufe der Revolution in Deutschland von 1848/49 entstanden die ersten deutschen Gewerkschaften, die sich zunächst auf einzelne Berufsgruppen beschränkten, aber im Laufe der folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte immer differenzierter nach politischen und beruflichen Orientierungen organisiert wurden.

Kritik an Gewerkschaften

Besonders zu Zeiten, in denen der Arbeitskampf-und ausstand von bestimmten Berufsgruppen für die Bevölkerung spürbar ist, wird die Kritik an der Arbeit von Gewerkschaften wieder lauter. Bestes Beispiel dafür sind die Streiks bei der Bahn oder bei Fluggesellschaften. Natürlich ist es für die Reisenden in diesen Momenten nicht schön, mit den Folgen eines Streiks konfrontiert zu werden, doch die Niederlegung der Arbeit ist ein durch das Grundgesetz garantiertes Recht und wichtiges Instrument unseres demokratischen Lebens.
Auch die vor Jahren geäußerte Kritik einiger Politiker, dass Gewerkschaften zu viel Einfluss auf das Wirtschaftsleben hätten und ganze Industriezweige durch überhöhte Forderungen zerstören würden, konnte mittlerweile entkräftet werden.

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